Warnung der Angezählten

Der amerikanische AOL Konzern übernimmt das führende Online Medienportal “The Huffington Post” und bezahlt dafür 315 Mio. $. AOL, das erst im September 2010 TechCrunch gekauft hat, möchte mit dieser Strategie zu einem next-generation Medienhaus mit globaler Reichweite werden, welches Content, Community und Social Expertise der Konsumenten vereint.

Eine grossartige Idee, aber klappt sie auch?

Zur Erinnerung: die Huffington Post startete 2005 unter ihrer Gründerin Arianna Huffington als politisches Blog. Heute ist die HuffPost eines der bedeutendsten Medienportale in den USA. Analysten rechnen damit, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die HuffPost auch cnn.com hinter sich gelassen haben wird. Der rasante Aufstieg der Huffington Post hat im amerikanische Markt sicherlich auch zum beschleunigten Zeitungssterben beigetragen.
Die Besucherzahlen und die Tatsache, dass HuffPo im letzten Jahr bereits schwarze Zahlen schrieb, zeigen auf, dass die HuffPo als News- und Unterhaltungsportal sehr gut funktioniert. Dass sich die HuffPo nun auch AOL einverleibt (vom Geldfluss her könnte man meinen, es sei umgekehrt), stellt den bisherigen Höhepunkt des Erfolgslaufs dar. Trotzdem sind aus dem Umfeld der Konkurrenz natürlich kritische Stimmen zum Deal zu hören. Auch das Traditionsmedienhaus NZZ steht dem Deal sehr kritisch gegenüber.

Schliesslich habe AOL bereits einmal einen Deal kopfüber in den Sand gesetzt (Warner), zudem seien die Angaben zu den Zahlen von monatlich 117 Millionen Besuchern des neu entstandenen Medienhauses mit Vorsicht zu geniessen. Im «Netz der Netze» könne man immer noch verhältnismässig einfach mit Zahlen potemkinsche Dörfer bauen. Auch sei es leicht, mit attraktiven Angeboten die Nutzerströme umzulenken.

Diesen drei Punkten sei entgegenzusetzen, dass der HuffPo Deal in eine völlig andere Richtung zielt als der Warner-Deal. Nicht alles was AOL anfasst, versinkt im Boden -> siehe TechCrunch.

Dass nicht nur «im Netz der Netze» potemkinsche Dörfer einfach gebaut werden können, beweisen die beglaubigten Leserzahlen der Druckerzeugnisse. Im Gegensatz zu diesen lassen sich im Netz alle Aktivitäten der Nutzer genau messen, sogar, ob ein Artikel zu Ende gelesen wurde. Falls es wirklich so einfach sein sollte, «Nutzerströme» umzulenken, warum gelingt es denn den meisten traditionellen Medienhäusern nicht?
Etwa weil sie den «Nutzer» eben als «Nutzer» verstehen und ihm gar nicht erst die passenden Tools zur Verfügung stellen, dass wie bei der HuffPo leidenschaftliche und von den HuffPo-Lesern selber moderierte Diskussionen stattfinden? Die Gründe sind vielfältig. Aber wie die NZZ richtig bemerkte, so können die Winde jäh für einst erfolgreiche Medientitel drehen, daher kann nie oft genug wiederholt werden: «Burn the boats.»

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