Vom Fiskus abgeschaut

Die deutschen Verlagshäuser, deren Interessen durch den Verlegerverband VDZ vertreten werden, scheinen ihrer Kreativität i.S. neue Einnahmequellen freien Lauf zu lassen – und dürften als Inspirationsquelle ein jedem Fiskus bestens zu Gesicht stehendes Motto nutzen: ich verlange, was ich brauche, nicht was mir zusteht. Nur, der Fiskus hat wenigstens (meistens) eine gesetzliche Grundlage, um sich am Erfolg der anderen zu beteiligen.

Seit Langem ist ja bekannt, dass die Verlage – nicht nur in Deutschland – Anspruch auf Beteiligung an Googles Werbeeinnahmen erheben. Begründung: Suchmaschinen verdienen mit Verlagsinhalten Geld, ohne die Produzenten daran zu beteiligen. Das Verdienen gestaltet sich dann so: die Suchmaschinen generieren Suchresultate, auf denen u.a. die Links zu den jeweiligen relevanten Artikeln auftauchen. Und diese Suchresultate können beworben werden. Ohne Links keine Suchresultate und ohne Suchresultate keine Werbeplattform – in etwa so die Argumentation.

Das Argument lässt sich natürlich genau so gut umdrehen: ohne Suchresultate keine Suchmaschinen-Verlinkung und ohne diese Verlinkung wesentlich weniger Traffic auf die Seite des Inhalteproduzenten. Damit verringert sich die Reichweite und folglich das Potenzial zur Kommerzialisierung der Seite.

Wären die Verlage konsequent, müssten sie eigentlich die Vertriebskanäle ihrer gedruckten Produkte auch zur Kasse bitten. Schliesslich kommen die Kunden zum Kiosk, um eine Zeitung oder eine Zeitschrift zu kaufen. Wenn gleichzeitig weitere Produkte gekauft werden, müssten die Verlage an diesen Erlösen beteiligt werden – schliesslich sind die Verkäufe eine direkte Folge der von ihnen dargebotenen Inhalte. Kling alles ziemelich absurd, nicht wahr?

Das hindert die Verlage aber nicht daran, ihr neues Augenmerk auf Facebook zu richten (FTD 7. Juni 2010), und dies obwohl Facebook bei weitem nicht eine derart dominante Position einnimmt, wie Google. Aber es ist eine rasant schnell wachsende Community und man fängt an, deren Bedeutung und Potenzial zu erkennen. Also rüstet man schon früh zum Kampf – dieses Mal aber auf einem noch viel wackligeren Hintergrund.

Im Gegensatz zu Google aggregiert Facebook nicht automatisch Inhalte. Die Inhalte werden von Nutzern ins Netzwerk gestellt bzw. von den Verlagen selbst. Eine Fanpage einrichten, die eigenen Inhalte publizieren und hoffen, so viele neue Leser zu generieren. Je besser es funktioniert, umso mehr Entrüstung macht sich dann breit, weil Facebook die Hoheit über die Werbung im Umfeld solcher Angebote behält. Kling logisch, nicht wahr?

Interessant übrigens der Hinweis des Branchendienstes kress, dass sich die Studie, welcher diese neuen Forderungen zu entnehmen sind, an kein anderes Soziales Netzwerk richtet, nicht einmal an den deutschen Marktführer, die VZ-Gruppe. Ach so ja, die gehört ja zur Holtzbrinck-Gruppe.

Ich werde mich hüten, Altpapier künftig zum Einwickeln von Gegenständen oder als Bastelutensilie meiner Töchter zu nutzen. Plötzlich werde ich noch für zweckentfremdete Nutzung zur Kasse gebeten.

Schreibe einen Kommentar