Was uns der Facebook-Algorithmus nicht zeigt

Für Facebook ist es wunderbar, wenn grosse Unternehmen viel Geld in die Akquirierung von Fans auf Facebook stecken und dabei auch viele immer teurer werdende Facebook Ads buchen.

Doch wie jüngste Zahlen zeigen, nimmt die Interaktionsrate mit der Anzahl der Fans ab. Wieso das? Geben sich die Unternehmen mit zunehmender Fanzahl weniger Mühe bei den Posts? Warten die «Fans» nur noch passiv aufs nächste Gewinnspiel?

Weder noch.

Denn was wann in meinen Facebook News Feed kommt und ich darauf reagieren kann, das weiss nur Facebook. Für die anderen bleibt dieser Code geheim.

Als Facebook-User ist mir aber aufgefallen, dass in meinem News Feed kaum Nachrichten von Pages kommen (ausser ich bin selber Admin der Page). Tests von mir und anderen haben ergeben, dass auch die vermeintliche «Most recent»-Filter-Funktion nicht wirklich alle «Most recent»-Posts anzeigt. Offenbar nimmt uns Facebook hier die Entscheidung ab, was für uns relevant und interessant sein soll. Unternehmenseiten sind es mit zunehmender Anzahl Fans nicht. Auch wenn man selber einst den «Gefällt mir»-Button geklickt hat.

Schade, denn offenbar traut Facebook seinen Usern nicht zu, dass sie sich selber von Pages «abmelden» können, wenn ihnen die Posts von dieser Seite her nicht mehr gefallen.

Es könnte natürlich auch sein, dass Facebook die Updates der Unternehmen monetarisieren möchte und die Unternehmenspages schon bald zahlen müssen, um im News Feeds ihrer Fans zu erscheinen.

Das Konzept von Google+ mit den Circles verspricht da mehr, verlangt aber vom User auch mehr Pflege ab. Dafür hat es der User (noch) selber in der Hand, von wem er Beiträge sehen möchte und von wem nicht. In welchem Suchresultat uns Google mit seiner Suche jedoch tappen lässt, ist wieder eine andere strenggeheime Filtergeschichte.

25. Juli 2011 von Cecile Oberholzer
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Nuthin’ but a ‘G+’ Thang

Man könnte meinen, Google+ sei das neue Gratis. Alle rennen hin und allen gefällt’s.

Die vielen Artikel, die bereits zu Google+ plubliziert wurden, enthalten alle den Vergleich zu Facebook und Twitter. Auf den ersten Blick ist dieser Vergleich auch verständlich. Denn was einem zuerst ins Auge sticht, hat man mal 2 bis 3 Leute «eingekreiselt», ist der umfassende Stream mit Artikel- und Content-Empfehlungen, Diskussionen und Fotos. Man wühlt sich durch, springt von einem spannenden Artikel zu anderen und vergisst darüber nicht nur Facebook und Twitter, sondern auch sich selber und …die Arbeit.

Erst auf den zweiten Blick fällt es einem wie Schuppen von den Augen, worin die Stärke von Google+ eigentlich liegt – sowohl aus Sicht der Monetarisierung als auch aus der Sicht des bequemen Users:

Seit es Google+ gibt, logge ich mich regelmässig bei Google im Brower ein, was ich bislang höchstens einmal pro Monat getan habe. Bereits habe ich auch das Hintergrund-Theme von Gmail geändert (in «Highscore»). Und siehe da, plötzlich fällt mir auch auf, dass ich auch den Foto-Dienst Picasa von Google sowie Google Docs schon einige Male benutzt habe. Auch der Google Kalender sowie der RSS Reader von Google gefallen mir eigentlich ganz gut. Ausserdem kann ich von überall her auf die Daten zugreifen, nichts ist auf meiner Festplatte, alles ist in … der Cloud! Und in der Cloud hat Google definitiv die Nase vorn.

Eine (inhaltlich) äusserst gelungene Präsentation, die sich vom üblichen Facebook- und Twitter-Vergleich abhebt, stammt von Vincent Wong aka «First Time Tech Founder»:

Cécile auf Google+
Dominik auf Google+

15. Juli 2011 von Cecile Oberholzer
Kategorien: Digitale Gesellschaft, Social Media | Schlagwörter: , , , | 1 Kommentar

All This Useless Beauty

Nein, bei diesem Titel geht es nicht um das gleichnamige Album von Elvis Costello, sondern um das neuste Album ‘Destroyed’ des New Yorker Künstlers Moby. Die Veröffentlichung eines neuen Albums ist per se nichts spezielles. Jeden Tag kommen hunderte, tausende neue Alben in den Handel.

Moby aber hat sich zum Release von ‘Destroyed’ etwas sehr schönes ausgedacht. Noch bevor es am 13. Mai 2011 im Handel erschienen ist, konnte ‘Destroyed’ auf einer Microsite von Moby bereits gestreamt werden. Dort beschreibt Moby kurz, wie das Album entstanden ist. Spät nachts während seiner Tournee, wenn er jeweils das Gefühl hatte, die einzige wache Person weit und breit zu sein. Er bezeichnet ‘Destroyed’ denn auch als ‘soundtrack for empty cities at 2 a.m.’ Entsprechend besinnlich und sphärisch sind die Klangbilder.

Auf einer eingebundenen Weltkarte hat er ausserdem eigene Bilder hoch geladen, die er auf der Tournee geschossen hat. Und jetzt kommt der Clou. Moby will von seinen Fans wissen, wie deren Heimatstädte nachts um 2 Uhr aussehen. Mit Hilfe der derzeit sehr beliebten und angesagten iPhone App Instagram sollen Fans überall auf der Welt ihre Bilder schiessen und mittels Hashtag #destroyed direkt auf die Karte hochladen.

Auf der Karte wird dann angezeigt, wer welches Bild wo hochgeladen hat. Die Karte lässt sich sehr nahe ranzoomen, so dass man den genauen Standort des ‘Fotografen’ zum Zeitpunkt des Hochladens sieht.

Schöne Idee, schönes Album, schöne Bilder. Und alles aus der Wolke. Datenschützer Thür dürfte es allerdings kalt den Rücken runter laufen.

Die erwähnten Alben kann man sich auf simfy.ch in voller Länge anhören:

Elvis Costello: All This Useless Beauty
Moby: Destroyed

19. Mai 2011 von Dominik Schmid
Kategorien: Mobile, Musik, Social Media | Schlagwörter: , | 1 Kommentar

Bitzcartz, die schönsten Visitenkarten der Stadt

Welchen Stellenwert wird dem Design von Business Cards eingeräumt? Gibt es je nach Stadt einen anderen Designstil bei Business Cards? Haben die cooleren Geschäfte die schöneren Visitenkarten?

Alles Fragen, die «Bitzcartz» zu beantworten versucht. Bitzcartz ist jedoch kein Orakel, sondern lediglich eine auf WordPress basierende Website.

Geschäfte, Restaurants, Personen oder Websites, alles, was eine Business Card besitzt, hat laufend die Chance, in die Bitzcartz-Sammlung aufgenommen zu werden.

Die Karte muss nur zwei Kriterien erfüllen: sie oder der beworbene Ort muss der Bitzcartz-Jury gefallen und die Karte muss aus der Region der Sammmlung stammen. Vorerst beschränkt sich die Website auf den Grossraum Zürich.

Nebst Fotos der Business Cards werden auch Zusatzinformationen wir Adresse, URL, eine kurze Beschreibung sowie die Foursquare-Daten zum Ort angezeigt. Weitere Funktionen werden sukzessive dazukommen. Vorerst setzt Bitzcartz den Fokus aber auf die Grafik. Und wir machen uns dran, weitere stilvolle Visitenkarten aufzustöbern.

Falls jemand zufällig gerade im Besitz einer beeindruckenden Visitenkarte aus dem Raum Zürich ist, dann sollte diese natürlich sofort in die Bitzcartz-Sammlung aufgenommen werden. Mehr Infos dazu gibt’s hier.

Bitzcartz ist ein gemeinsames Vorhaben von Château Web (Programmierung), Ueberdesign (Design) und F.A.M.O.S. Medien (Idee und Content).

10. Mai 2011 von Cecile Oberholzer
Kategorien: Design, Pro domo | Schlagwörter: , , , , | 3 Kommentare

Kudos to Roger Fidler

Derzeit verbreitet sich ein unglaublich faszinierendes Zeitdokument im Netz, v.a. via Twitter. Es handelt von der Zukunft der Zeitung und datiert von 1994. Der Leiter des Knight-Ridder Information Design Labs, Roger Fidler, darf wohl mit Recht als der Visionär für die Zukunft der Zeitung bezeichnet werden. Seine Vision begann im Jahr 1981 mit einem Essay, das er im Auftrag des Associated Press Managing Editors verfasst hatte. Seine damalige Vorstellung begann er Anfang der 90er Jahre als Leiter des erwähnten Design Labs in die Realität umzusetzen. Es lohnt sich, dieses Video in voller Länge anzusehen. Und zu staunen.

Es ist wohl nicht vollkommen falsch, Roger Fidler als den Vater von iPad und Co. zu bezeichnen. Doch wie so oft, wenn bahnbrechende Visionen im Spiel sind, war der Visionär der Prophet im eigenen Land. Das Beispiel zeigt aber auch, wie stark Entwicklungen von Schicksalen und Entscheidungen einzelner Individuen beeinflusst werden können. Als Fidler das Design Lab ins Leben rief, war Jim Batten Chef des Verlagsimperiums Knight-Ridder. Batten, ein ehemaliger Journalist, teilte Fidlers Visionen und förderte das Projekt. Doch nach seinem überraschenden Tod 1995 sollte sich alles drastisch verändern. Der neue CEO von Knight-Ridder, Tony Ridder, teilte die Visionen von Fidler und Batten nicht. Er war mehr an Kostenoptimierung interessiert. Das Information Design Lab wurde 1995 geschlossen.

Ganz ohne Anspruch auf ein umfassendes Branchenwissen stelle ich mal die Behauptung auf, Tony Ridders Entscheid sei der fatalste Fehlentscheid in der Geschichte der Zeitungsverlage gewesen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Wer mehr Hintergrund zu dieser Geschichte wünscht, dem seien dieser Artikel bzw. dieses Interview mit Roger Fidler empfohlen.

26. April 2011 von Dominik Schmid
Kategorien: Digitale Gesellschaft, Print, Tablet | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

Wolke Sieben

An der diesjährigen Konferenz des m4music-Festivals fand ein Panel zum Thema Musik Streaming statt. Unter der Leitung des Medienkolumnisten Nick Lüthi diskutierten Vertreter der Musikindustrie (Sony, Universal) und der in der Schweiz verfügbaren Anbieter simfy.ch und Soundshack.

Unter den Gesprächsteilnehmern herrschte weitgehend Einigkeit. Streaming ist ein neuer Vertriebskanal mit Zukunftspotenzial und nicht bloss ein Marketingtool. Die grösste Schwierigkeit besteht derzeit immer noch darin, den Markt für diese neue Form des Musikkonsums zu sensibilisieren. Vielen Konsumenten fehlt noch weitgehend das Verständnis für Streaming und insbesondere dessen Vorteile. Wie die Erfahrung aus anderen Märkten zeigt, braucht es eine Anlaufzeit von rund zwei Jahren, um solche Dienste auf breiter Basis zu etablieren. Das Beispiel Schweden zeigt allerdings, dass sich die Aufbauarbeit lohnt – gemäss Angaben der Labelvertreter ist der Schwedische Streaming Anbieter Spotify mittlerweile die wichtigste Einnahmequelle für die Labels.

Auch in der Schweiz wird Musik Streaming auf Labelseite weitgehend positiv aufgenommen. Eine Ausnahme stellt nach wie vor Sound Service dar, welches wichtige Schweizer Künstler wie Polo Hofer oder Stiller Has vertritt. Leider war es der Vertreterin von Sound Service nicht möglich, am Panel teilzunehmen, um die Vorbehalte gegenüber ‘Flat Rate’ Musikangeboten zu erörtern.

Aus unserer Sicht ist es allerdings lediglich eine Frage der Zeit, bis auch renitentere Vertreter der Musikindustrie auf die Streaming Welle aufspringen werden. Wir sind der festen Überzeugung, dass sich diese Entwicklung nicht mehr aufhalten lässt. Dass wir nicht alleine dastehen mit dieser Ansicht, zeigt eine neue Studie von ABI Research. Demnach wird bis Ende 2011 mit weltweit 5.9 Mio. Streaming Subscribern gerechnet. Bis Ende 2016 soll sich die Zahl auf über 161 Mio. Subscriber erhöhen, was einem jährlichen Wachstum von 95% entspricht. Die Zukunft ist ‘bewölkt’.

25. März 2011 von Dominik Schmid
Kategorien: Mobile, Musik | Schlagwörter: , , , , | 1 Kommentar

Just unlocked the “editor in chief” badge

Mashable testet momentan «Mashable Follow». Damit erfinden sie das Rad nicht neu, integrieren aber alle Aspekte der Social Networks in ihr Blog. Was daran besonders interessant ist, ist nicht, dass nun Themenbereiche abonniert werden können, sondern, dass anderen Lesern «gefollowt» werden kann und dass als Glanzpunkt ein spielerisches Belohnungssystem eingeführt wird: Anderen Nutzern folgen, kommentieren und Artikel teilen wird mit Punkten oder Badges belohnt. Mittelfristig sollen die aktivsten und renommiertesten User auch redaktionellen Einfluss und Mitbestimmungsrechte erhalten.

Folgend erklärt Mashable gleich selber, was sie mit Mashable Follow geplant haben:

17. Februar 2011 von Cecile Oberholzer
Kategorien: Social Media | 1 Kommentar

Warnung der Angezählten

Der amerikanische AOL Konzern übernimmt das führende Online Medienportal “The Huffington Post” und bezahlt dafür 315 Mio. $. AOL, das erst im September 2010 TechCrunch gekauft hat, möchte mit dieser Strategie zu einem next-generation Medienhaus mit globaler Reichweite werden, welches Content, Community und Social Expertise der Konsumenten vereint.

Eine grossartige Idee, aber klappt sie auch?

Zur Erinnerung: die Huffington Post startete 2005 unter ihrer Gründerin Arianna Huffington als politisches Blog. Heute ist die HuffPost eines der bedeutendsten Medienportale in den USA. Analysten rechnen damit, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die HuffPost auch cnn.com hinter sich gelassen haben wird. Der rasante Aufstieg der Huffington Post hat im amerikanische Markt sicherlich auch zum beschleunigten Zeitungssterben beigetragen.
Die Besucherzahlen und die Tatsache, dass HuffPo im letzten Jahr bereits schwarze Zahlen schrieb, zeigen auf, dass die HuffPo als News- und Unterhaltungsportal sehr gut funktioniert. Dass sich die HuffPo nun auch AOL einverleibt (vom Geldfluss her könnte man meinen, es sei umgekehrt), stellt den bisherigen Höhepunkt des Erfolgslaufs dar. Trotzdem sind aus dem Umfeld der Konkurrenz natürlich kritische Stimmen zum Deal zu hören. Auch das Traditionsmedienhaus NZZ steht dem Deal sehr kritisch gegenüber.

Schliesslich habe AOL bereits einmal einen Deal kopfüber in den Sand gesetzt (Warner), zudem seien die Angaben zu den Zahlen von monatlich 117 Millionen Besuchern des neu entstandenen Medienhauses mit Vorsicht zu geniessen. Im «Netz der Netze» könne man immer noch verhältnismässig einfach mit Zahlen potemkinsche Dörfer bauen. Auch sei es leicht, mit attraktiven Angeboten die Nutzerströme umzulenken.

Diesen drei Punkten sei entgegenzusetzen, dass der HuffPo Deal in eine völlig andere Richtung zielt als der Warner-Deal. Nicht alles was AOL anfasst, versinkt im Boden -> siehe TechCrunch.

Dass nicht nur «im Netz der Netze» potemkinsche Dörfer einfach gebaut werden können, beweisen die beglaubigten Leserzahlen der Druckerzeugnisse. Im Gegensatz zu diesen lassen sich im Netz alle Aktivitäten der Nutzer genau messen, sogar, ob ein Artikel zu Ende gelesen wurde. Falls es wirklich so einfach sein sollte, «Nutzerströme» umzulenken, warum gelingt es denn den meisten traditionellen Medienhäusern nicht?
Etwa weil sie den «Nutzer» eben als «Nutzer» verstehen und ihm gar nicht erst die passenden Tools zur Verfügung stellen, dass wie bei der HuffPo leidenschaftliche und von den HuffPo-Lesern selber moderierte Diskussionen stattfinden? Die Gründe sind vielfältig. Aber wie die NZZ richtig bemerkte, so können die Winde jäh für einst erfolgreiche Medientitel drehen, daher kann nie oft genug wiederholt werden: «Burn the boats.»

16. Februar 2011 von Cecile Oberholzer
Kategorien: Digitale Gesellschaft, Print | Schreibe einen Kommentar

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