Kudos to Roger Fidler

Derzeit verbreitet sich ein unglaublich faszinierendes Zeitdokument im Netz, v.a. via Twitter. Es handelt von der Zukunft der Zeitung und datiert von 1994. Der Leiter des Knight-Ridder Information Design Labs, Roger Fidler, darf wohl mit Recht als der Visionär für die Zukunft der Zeitung bezeichnet werden. Seine Vision begann im Jahr 1981 mit einem Essay, das er im Auftrag des Associated Press Managing Editors verfasst hatte. Seine damalige Vorstellung begann er Anfang der 90er Jahre als Leiter des erwähnten Design Labs in die Realität umzusetzen. Es lohnt sich, dieses Video in voller Länge anzusehen. Und zu staunen.

Es ist wohl nicht vollkommen falsch, Roger Fidler als den Vater von iPad und Co. zu bezeichnen. Doch wie so oft, wenn bahnbrechende Visionen im Spiel sind, war der Visionär der Prophet im eigenen Land. Das Beispiel zeigt aber auch, wie stark Entwicklungen von Schicksalen und Entscheidungen einzelner Individuen beeinflusst werden können. Als Fidler das Design Lab ins Leben rief, war Jim Batten Chef des Verlagsimperiums Knight-Ridder. Batten, ein ehemaliger Journalist, teilte Fidlers Visionen und förderte das Projekt. Doch nach seinem überraschenden Tod 1995 sollte sich alles drastisch verändern. Der neue CEO von Knight-Ridder, Tony Ridder, teilte die Visionen von Fidler und Batten nicht. Er war mehr an Kostenoptimierung interessiert. Das Information Design Lab wurde 1995 geschlossen.

Ganz ohne Anspruch auf ein umfassendes Branchenwissen stelle ich mal die Behauptung auf, Tony Ridders Entscheid sei der fatalste Fehlentscheid in der Geschichte der Zeitungsverlage gewesen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Wer mehr Hintergrund zu dieser Geschichte wünscht, dem seien dieser Artikel bzw. dieses Interview mit Roger Fidler empfohlen.

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