Gehört die Zukunft des Car-Sharing-Business tatsächlich den Amerikanern?

Was Airbnb für Rent-a-Place-Dienste ist, könnte Zipcar für Car-Sharing-Pools werden.
Airbnb schaffte es, dem Couch-Surfing den hippie-esken Beigeschmack zu nehmen und eine cleane, salonfähige und vor allem über den Tellerrand hinaus bekannte Unterkunftsvermietung auf die Beine zu stellen. Die Car-Sharing-Branche stand lange vor dem gleichen Problem: Deren Kunden seien links-grüne Idealisten und extrem schlechte Autofahrer. Zeit, dass die Amerikaner kommen und auch hier den Blümchen-Touch entfernen. Ausgerechnet die Amerikaner im Carsharing? Ja, ausgerechnet Zipcar!

zipcar_prius

Zipcar hat weltweit 760’000 Mitglieder und eine Flotte von 11’000 Autos. Ausser in seinem Hauptmarkt USA ist Zipcar in Österreich, UK, Spanien und Canada tätig. Kürzlich hat Avis angekünigt, Zipcar zu übernehmen, was nun Car-Sharing-Diensten weiter zu Popularität verhelfen wird.

In der Schweiz operiert Zipcar nicht. Hier dominiert Mobility. Mit über 100’000 Kunden und 2’600 Fahrzeugen an 1’300 Standorten (Stand Januar 2013) ist die Mobility Carsharing Genossenschaft laut eigenen Angaben Europas grösstes Carsharing Unternehmen. In vielen Dingen ist Mobility dem amerikanischen Unternehmen Zipcar auch um einiges voraus, beispielsweise bei der Anbindung an den öffentlichen Verkehr oder zum Teil beim Buchungssystem. Zum Teil nur deshalb, weil von Zipcar aufgekaufte Firmen in Österreich und Spanien ebenfalls die Software Mobisys 2.0 von Mobility benutzen.

Die Schweizer Genossenschaft Mobility ist also ein weltweiter Vorreiter in Sachen Carsharing. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es nur einer amerikanischen Firma gelingen wird, Carsharing nicht nur als praktische, sondern vor allem auch als schicke Möglichkeit an den User zu bringen. Nutzer von Carsharing-Diensten könnten dadurch plötzlich als urban und modern gelten. Sie verzichten zwar auf das Auto als Statussymbol, nicht aber auf den Komfort dieses Verkehrsmittels.

Ich glaube, dass künftig vor allem auch der lokale, individuelle Ansatz zum Erfolg verhelfen könnte, wieder ganz nach dem Vorbild von Airbnb: Ich miete das Auto meines Nachbars, und das alles formell und versichert über die Plattform. Darin enthalten sind Bewertungen des Mieters und des Vermieters, um die Reputation der Mietparteien transparent zu halten, so dass man bei zweifelhaften Anfragen sein Auto auch zurückhalten kann. Ein Autobesitzer, der sein Auto nicht selber jederzeit benötigt, kann so einige 100 Franken pro Monat dazuverdienden, und der Mietende kommt günstiger weg, als bei den regulären Car-Sharern, und hat es unter Umständen auch näher als bis zum nächsten Mobility-Standort.

Screenshot: Wheelz.com

Screenshot wheelz.com

 

Zwei Web-Portale setzen diese Idee bereits um: Wheelz operiert in San Francisco (und wird u.a. von wem finanziert? Genau, von Zipcar). Buzzcar ist in ganz Frankreich unterwegs (und wurde von wem gegründet? Genau, von der Zipcar-Gründerin Robin Chase @rmchase). Trotz der Nähe zu Frankreich kann man in der Schweiz sein Auto noch nicht in dieser Plattform eintragen. Das mag rechtliche Gründe haben. Als Mobility-Nutzerin in der Schweiz wünsche ich mir daher, dass sich Mobility nicht auf seinen Lorbeeren ausruht, sondern weiter wächst und weiter auf neue innovative Lösungen und Kooperationen setzt.

http://www.zipcar.com
http://www.mobility.ch
http://www.buzzcar.com/
https://www.wheelz.com/

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