F.A.M.O.S. begins.

Seit Jahren schon beobachte ich die Entwicklungen im Mediensektor mit grossem Interesse. Und mache mir so meine Gedanken dazu. Es ist immer wieder faszinierend, mit anzusehen, wie sich etablierte Strukturen gegen Veränderung sträuben. Faszinierend und frustrierend zugleich. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wovon ich rede.

Als ich im Jahre 2003 als Gesamtverantwortlicher für den Bereich ‚Broadcast Operations‘ für die FIFA Fussball-WM 2006 in Deutschland bekannt gab, dass wir die WM im HD-Format produzieren werden, erfolgte ein Aufschrei des Entsetzens. Weniger der hochauflösenden Technologie wegen – dafür interessierte sich damals kaum jemand – als vielmehr der Tatsache wegen, dass HD per Definition im 16:9 Format produziert wird. Die Bild-Zeitung mutmasste am folgenden Tag, die WM im eigenen Land würde als Balken-TV daherkommen, also mit schwarzen Balken am oberen und unteren Bildschirmrand. Für die Technologie an sich, die Gründe, die hinter unserem Entscheid steckten oder die geplante Umsetzung (um eben genau besagtes Balken-TV zu verhindern) interessierte sich vorerst kaum jemand. 16:9 ist heute TV-Standard. HDTV ist nicht aufzuhalten und wird sich in den nächsten Jahren endgültig als Standard durchsetzen.

Gerade die letzten Jahre mit den rasanten technologischen Entwicklungen haben gezeigt, dass schnelles Umdenken und Handeln unabdingbar ist, wenn man langfristig erfolgreich sein will. Das gilt für die Medien genau so wie beispielsweise für die Medizin. Die Mediziner wissen das und verhalten sich entsprechend. Kann man dasselbe von den Medienschaffenden behaupten? Ich behaupte nein. Und zwar von oben nach unten. Nicht nur die Teppichetage entzieht sich den gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen in einem erschreckenden Ausmass, auch die Basis, welche Inhalte produziert, scheint sich hinter einer imaginären ‚Maginot-Linie‘ zu verbarrikadieren.

Print steckt in der grössten Krise, seit es Zeitungen gibt. Das Zeitungssterben ist in den USA ein weit verbreitetes Phänomen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis diese Welle auf Europa über schwappt. Hat diese Entwicklung zum grossen Umdenken geführt? Nicht wirklich. Oder wir Konsumenten kriegen davon nichts mit. Was wir aber mitkriegen, stimmt mich für die Zukunft von vielen Medienhäusern nicht eben optimistisch. Insbesondere dort nicht, wo der Heilbringer im ‚paid content‘ gesehen wird.

Ich werde den Verdacht einfach nicht los, dass die gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen, welche durch das Internet in ein paar wenigen Jahren ausgelöst worden sind, von den etablierten Verlagshäusern nicht wirklich oder nur teilweise wahrgenommen werden – wahrgenommen werden wollen. Viel lieber hält man an Traditionellem, Altbekanntem fest und peppt es etwas auf, indem eine ‚Neue Medien Strategie‘ beigegeben wird. Selbstverständlich im Sinne eines peripheren Mehrwerts. Mehr Kosmetik als Substanz.

Das Herzstück ist und bleibt die gedruckte Zeitung, weil nur dort sogenannter Qualitätsjournalismus betrieben werden könne – so die weit verbreitete Meinung unter den Zeitungsmachern. Diese Haltung ist existenzbedrohend. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Tage der gedruckten Tageszeitung gezählt sind.

Immer wieder habe ich mich über diese Themen mit Vertretern aus den verschiedensten Bereichen unterhalten, mich schon fast zum geistigen Sanitäter der Medienhäuser gemacht – warum wird die Entwicklung so verkannt, wo bleibt das bitter notwendige radikale Umdenken, wann kommt der mutige Befreiungsschlag?

Das war „in a nutshell“ die Ausgangslage, die zum Entscheid, F.A.M.O.S. Medien zu gründen, führen sollte. Jetzt steht die Zukunft vor uns. Ob wir recht hatten, wird sich weisen.

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