Die Sonne geht im Westen unter

Heute musste ich mir die Augen zweimal reiben: Gemäss paidContent.org scheint Pearson, Herausgeberin der renommierten Financial Times, auf Marc Andreessen gehört zu haben.

Obwohl, naheliegender ist wohl, dass die Pearson Leute einfach intelligent genug sind, sich der unabwendbaren Entwicklung nicht zu entziehen. Pearson geht davon aus, dass die gedruckten Ausgabe der FT in fünf Jahren Geschichte sein wird. Dementsprechend wird massiv in die Online-Präsenz der FT investiert.

Ein Verlag, der nicht nur die Zeichen der Zeit erkennt, sondern auch mit adäquaten Mitteln darauf reagiert, ist eine wohltuende Ausnahmeerscheinung. Ich bin gespannt, wie die Branche auf diese Form von ‚Nestbeschmutzung‘ reagieren wird.

Fairerweise muss allerdings auch gesagt werden, dass es einer Publikation wie der FT vermutlich wesentlich leichter fallen wird, diese kapitale Veränderung einzuleiten und relativ kurzfristig umzusetzen. Im Gegensatz zu den Tageszeitungen, für die meiner Meinung nach eine ‚paid content‘ Strategie schlicht und einfach keine valable Option ist, kann ein weltweit anerkanntes spezialisiertes Wirtschafts- und Finanzblatt durchaus auf zahlende Abonnenten hoffen – wenn auch nur für Teilbereiche. Eine Strategie, im Übrigen, die die FT bereits heute erfolgreich vorantreibt.

Trotzdem, ich verharre auf dem Standpunkt, dass alle Druckpressen – nicht nur die von Fachblättern – in absehbarer Zukunft stillgelegt werden. Werden müssen.

Nachtrag: Offenbar hat sich die Pearson Vertreterin Madi Solomon weit aus dem Fenster gelehnt, als sie diese bahnbrechenden Prognosen machte. Schon einen Tag später werden die Aussagen durch einen Pearson Sprecher relativiert, bzw. korrigiert: es bestünden überhaupt keine Pläne, Print zu reduzieren, man eröffne im Gegenteil weitere Druckzentren und die Leserschaft wachse weiter an. Ich bin mal gespannt, wer am Schluss recht behalten wird…

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