Der Mann und das Vorzimmer

Kürzlich publizierte «Persönlich», ein Schweizer Branchendienst für Kommunikation und Marketing, eine Reportage über Medien-Chefs und ihre Assistentinnen: «Medienmacher: Der Vorzimmer-Report»

Ja, Chefs und ihre Assistentinnen, ganz offensichtlich ist Assistentin noch immer einer der Lieblingsberufe von Frauen. Darauf möchte ich aber gar nicht so genau eingehen.

Die Reportage sticht vor allem in der Print-Ausgabe von «Persönlich» visuell heraus. Über 6 Seiten werden originell illustriert Fotos vom lachenden Chef im Anzug neben einer lachenden Dame mit Foulard aneinandergereiht. Und dann zum Schluss sind plötzlich zwei Herren auf dem Foto, darunter erfolgt dann sogleich die Erklärung: Die Dame, die eigentlich auf dem Foto hätte posieren sollen, weilte beim Fototermin gerade in den Ferien.

Diese klassisch als Fotoroman aufgebaute Story wird politically correct eingeleitet mit den Worten: Hinter jedem starken Medienmenschen steckt ein starkes Vorzimmer.
Dabei geht der Spruch doch so: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Und das Vorzimmer kennen wir doch aus anderen Redensarten: Vorzimmerdame, Vorzimmerdrachen oder Frauenzimmer.

Wo political correctness nicht angebracht ist, sollte auch darauf verzichtet werden – also überall. Nennt das Kind beim Namen: Hinter jedem mediokren Medienmann steht zumindest eine starke Vorzimmerdame.

Und sollte es wieder einmal anders kommen, so kann die Formulierung immer noch in Medienmenschen umgewandelt werden. Ich vermute übrigens, dass der Artikel von «Persönlich» so lange zurückgehalten wurde bis Ingrid Deltenre den Sessel wieder geräumt hatte.

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