Der Bücherwurm hat ausgedient

Alle kennen es, aber erst wenige machen davon Gebrauch: vom digitalen Buch!

In den kommenden Jahren wird sich das jedoch grundlegend ändern. Konnte sich die Buchbranche anders als die Musikindustrie bislang noch erfolgreich gegen die Digitalisierung ihrer Pfründe wehren, so wird auch ihr Kampf ums Überleben härter. Für die Verlage und Buchhändler müssen neue Geschäftsmodelle her, denn alleine mit dem Verkauf eines digitalen Buches lässt sich bei weitem nicht so viel Geld verdienen, wie mit dem Verkauf eines gedruckten Buches.

In den USA ist die Entwicklung schon etwas weiter. Dort verkündete Amazon kürzlich, nun direkt Verträge mit Publizisten abzuschliessen (für Print und E-Books). Die Zwischenagenten verlieren an Wichtigkeit.

Bild: dodocase.com

Doch kurz ein Überblick über den aktuellen Stand der Produkte, Formate und Anbieter, die auf dem E-Book-Markt zu finden sind:

• Produkte: Derzeit ist zu unterscheiden zwischen «klassischen» E-Books, enriched E-Books und Book Apps.

• Formate: Für die klassischen und enriched eBooks sind die Formate PDF (festes Layout) sowie EPUB und proprietäre Formate wie Amazons .mobi oder KF8 wichtig (fliessendes Layout).

• Anbieter: Zu den Händlern gehören die klassischen Buchhäuser wie Barnes & Nobles oder Books A Million in den USA; Thalia, Hugendubel oder Weltbild und viele mehr in Deutschland sowie Orell Füssli, Thalia Schweiz oder Lüthy in der Schweiz. Dazu kommen Anbieter wie Amazon und Google, wobei Amazon im englischen Sprachraum über weit mehr E-Books verfügt als im deutschsprachigen Raum.

Während die meisten Buchhändler ihre E-Books im standardisierten EPUB-Format anbieten, setzt der grösste Online-Händler Amazon gänzlich auf sein eigenes Format (Mobipocket oder nun bald KF8). Auch mit den aufs diesjährige Weihnachtsgeschäft 2011 angekündigten Kindle Touch und Fire lässt sich das EPUB-Format nicht mal lesen.

Für Leser von deutschsprachigen Büchern würde es sich demnach empfehlen, keinen Kindle zu kaufen, da das Angebot auf amazon.de im Vergleich zu amazon.com eher bescheiden ist.

Entscheidet man sich also für einen anderen Reader, zum Beispiel den ImCoSys-Reader (!), den einem books.ch empfielt, so kann man zwar EPUB-Bücher lesen, aber dafür natürlich nicht die Bücher von Amazon. Zudem fühlt sich der Leser über den Tisch gezogen, wenn er für den neusten Schinken von Haruki Murakami (1Q84) fürs E-Book (ohne Druck- und Vertriebskosten) trotzdem 24 CHF zahlen muss. Im gleichen Laden kostet die gebundene Ausgabe von 1Q84 29.90 CHF. Offensichtlich halten die Buchhändler künstlich an ihren gedruckten Büchern solange wie möglich fest, denn dort machen sie immer noch ihr Geld.

1Q84, Murakami Haruki

Im Gegensatz zum Inhalt sind die Reader bereits erschwinglich. Ein klares Zeichen dafür, dass der Buchmarkt immer schneller auf den Kopf gestellt wird. Denn haben die Leser erstmal einen E-Reader, ist der Weg kurz, sich die digitalisierten Bücher anderweitig zu besorgen.

Denn natürlich kann man nur in der Theorie keine EPUBS auf dem Kindle lesen, mit Programmen wie Calibre kann man EPUB schnell in ein Kindle-taugliches Format umwandeln. Nur ist es nicht sehr angenehm, wenn man sein redlich erworbenes E-Book erst mühsam und illegal umwandeln muss, damit es auf dem eigenen Reader gelesen werden kann. Viele werden sich daher die Bücher direkt via Torrent und PirateBay gratis herunterladen.

Für den Leser besteht momentan keine befriedigende, übersichtliche und vor allem einfache Lösung, seine Bücher künftig nur noch ausschliesslich elektronisch zu lesen. Auch preislich müssen die Bücher massiv billiger werden. Dass die Entwicklung nicht aufgehalten werden kann, ist aber mehr als klar. Schlussendlich bringt es abgesehen vom Geruch von frisch gedrucktem Papier nur Vorteile: einfach und bequem vom Sofa aus sein Buch kaufen, seine Bücher mit Freunden innert Sekunden teilen, Social-Empfehlungen, Preis, umweltschonend, Gewicht, das Buch kann auf verschiedenen Devices gelesen werden (unterwegs auf dem Smartphone, daheim auf dem E-Reader), keine Druckkosten… etc.

Ich wage daher einen Ausblick in die Zukunft des hiesigen Buchmarktes: Bald wird ein Anbieter auftauchen, der den E-Book-Markt beherrscht, der weder Barnes & Nobles, noch Orell Füssli und wohl nicht mal Amazon heisst, und der wie eine herkömmliche Bibliothek aufgebaut ist – mit einer Mitgliedergebühr, aber mit viel, viel mehr Büchern.

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