Dein Freund und Helfer

Verdutzt reibe ich mir dieser Tage immer wieder die Augen. Es ist gerade mal eine Woche her seit der abscheulichen Bluttat auf der Norwegischen Insel Utøya. Das Entsetzen ist weit herum gross und man stellt sich die berechtigte Frage, was einen Menschen zu einer derart absurden Tat bewegen kann.

Politische Beobachter waren rasch zur Stelle, um die Tat einzuordnen. Ging man zuerst von einer islamistischen Terroraktion aus, wurde rasch klar, dass es sich um eine Tat aus den eigenen Reihen handelte – ein Norweger brachte dutzende andere Norweger um. Eine Tat eines Irrsinnigen, keine Frage. Anders Breivik scheint getrieben gewesen zu sein von diffusen Ängsten vor einem Untergang der abendländischen Kultur. Ist er ein christlicher Fundamentalist? Ein Rechtspopulist? Ein geistesgestörter Fanatiker?

Vermutlich das eine oder andere. Vielleicht alles. Vielleicht auch nicht. Wir wissen es einfach noch nicht. Eines aber ist sicher: niemand würde eine derart bestialische, sinnlose Tat je billigen, ausser vielleicht ein paar fundamentalistisch-extremistische Kreise – aus welcher Ecke auch immer.

Es ist klar, nach einer solchen Tragödie kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Trotzdem verstehe ich nicht, weshalb unsere Medien diesem Täter eine derart prominente Plattform bieten. Das ist doch genau das, was er wollte. Sein wirres Manifest dürfte mittlerweile tausende Male heruntergeladen worden sein (ja, ich habe es auch heruntergeladen). Er erreicht damit ein Publikum, von dem er nie zu träumen gewagt hätte. Die Medien als willige Helfer, das Netz als bekannter Multiplikator zur Verbreitung von Botschaften.

Keine Frage, Breiviks teuflischer Plan geht bisher irgendwie auf. Besser, als er sich dies wohl erhofft hatte. Dank seinen medialen Helfern und Handlangern. Und als ob sie in williger Hörigkeit handeln würden, wissen unsere Medien – ob öffentlich-rechtlich oder privat – nichts Besseres, als noch mehr Öl auf Breiviks kleine teuflische Flamme zu giessen.

Es war in den vergangenen Tagen auffällig, dass in Berichten zu den Opfern des Attentats gerne gezielt gewählte Einzelschicksale heraus gepickt worden sind.

Ich erhebe mit diesen Beispielen mitnichten Anspruch auf Vollständigkeit, was die Berichterstattung betrifft. Ich habe diese gewählt, weil ich diese zufällig selbst gesehen habe. Aber ist es wirklich ein Zufall, dass alle gezeigten Schicksale einen muslimischen Hintergrund haben? Die sozio-kulturelle Herkunft der Opfer sollte in einer solchen Tragödie doch eigentlich überhaupt keine Rolle spielen. Aber genau mit solch tendenziöser Berichterstattung wird – schön nach Gusto der Bestie – so viel Öl wie möglich in die Flamme gegossen. Mein Gott, merkt ihr nicht, wie er Euch auch nach seiner Tat weiter instrumentalisiert?

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