David gegen Goliath

Der eine ist Blattmacher beim schweizerischen Newsnetz. Der andere ist Chef des mächtigen Axel-Springer-Verlags. Das heisst aber nicht, dass letzterer mit der grösseren Durchsicht bzw. Weisheit zur Zukunft des Patienten Zeitung aufwarten könnte. Im Gegenteil.

Der Blattmacher heisst Samuel Reber. Den Chef kennt man, es ist Mathias Döpfner. Die Ansichten von Samuel Reber teile ich weitgehend, jene von Mathias Döpfner weitgehend nicht. Gestern publizierte persönlich.com die von Samuel Reber verfassten Thesen zum Thema „Paid Content – wer soll das bezahlen?“

Dem Autor ist absolut beizupflichten, wenn er die Nische Finanz- und Wirtschaftsinformation als funktionierendes Paymodell aufzeigt. Genau diese These vertreten auch wir. Als zweite Nische nennt er Verbraucherinformationen am Beispiel der deutschen Stiftung Warentest. Diese Aussage mag auf Deutschland zutreffen. Für die Schweiz bin ich da doch etwas skeptischer, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

„Was funktioniert sonst noch? Die Antwort: Nichts, was bekannt ist“. Auch dieser These muss weitestgehend zugestimmt werden. Zumindest, was Informationsinhalte betrifft. Unterhaltungsinhalte wie Musik oder Filme dürften sich mittelfristig als anerkannte Paymodelle durchsetzen.

Letztlich kann ich auch Samuel Rebers Empfehlung an die Verlage, mit Freemium Modellen zu experimentieren, sehr gut nachvollziehen. Zum Thema ‚Freemium‘ wurde auf dieser Seite bereits zu einem früheren Zeitpunkt Stellung genommen.

Diesen meiner Ansicht nach sehr realistischen und gut nachvollziehbaren Einschätzungen stehen die Einschätzungen des Springer-Chefs gegenüber.

Bereits im vergangenen April hat mich folgende Aussage Döpfners irritiert: “Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet.” Letzten Monat dann hat Döpfner seine Sicht der Dinge anlässlich der dmexco in Köln wiederholt. Statements wie «Smartphones und Tablets sind die Zeitungen der Zukunft», oder auch «Apps sind die neuen Verbündeten der Verlage» lassen aufhorchen.

Und dann kommt gemäss sueddeutsche.de eine Aussage, die mich erst recht aufhorchen lässt: Weniger radikale Veränderungen seien allerdings bei den Nutzergewohnheiten und Medieninhalten zu erwarten.

Bei allem Respekt für den Leistungsausweis von Mathias Döpfner, ich erachte diese Einschätzung als sehr gefährlich für die wirtschaftliche Zukunft des eigenen Verlagsgeschäfts. Im April hatte ich dazu geschrieben, es gehe nicht einfach um neue Technologien, um die fortschreitende Digitalisierung, welche 1:1 adaptiert werden könne, es gehe vielmehr um einen tief greifenden gesellschaftlichen Wandel, der sich besonders akzentuiert in der Mediennutzung bemerkbar mache. Dieser Überzeugung bin ich mehr denn je.

Ich weiss, ich wiederhole mich, aber ich sage es trotzdem noch einmal. Das Problem der Zeitungsverlage ist nicht (nur) eines der fortschreitenden Digitalisierung, es ist v.a. eines des gesellschaftlichen Wandels und des sich wandelnden Mediennutzungsverhaltens. Hinzu kommt die Vorstellung, für Inhalte künftig Geld verlangen zu können.

Von den Rupert Murdochschen Pay-Experimenten ist noch wenig bekannt. Ausser natürlich dem eklatanten Leserschwund auf den betroffenen Portalen. Aber ich bin und bleibe der felsenfesten Überzeugung, dass diesem Versuchsballon kein durchschlagender Erfolg beschieden sein wird. Umso mehr erstaunt es mich, dass man im Hause Springer nach wie vor bzw. primär auf Tablets, Smartphones, Apps und Paid Content setzt. Wäre ich Lehrer, ich müsste glatt sagen: Hausaufgaben nicht gemacht.

Der eine ist Blattmacher beim schweizerischen Newsnetz. Der andere ist Chef des mächtigen Axel-Springer-Verlags. Das heisst aber nicht, dass letzterer mit der grösseren Durchsicht bzw. Weisheit zur Zukunft des Patienten Zeitung aufwarten könnte. Im Gegenteil.

Der Blattmacher heisst Samuel Reber. Den Chef kennt man, es ist Mathias Döpfner. Die Ansichten von Samuel Reber teile ich weitgehend, jene von Mathias Döpfner weitgehend nicht. Gestern publizierte persönlich.com die von Samuel Reber verfassten Thesen zum Thema „Paid Content – wer soll das bezahlen?“

Dem Autor ist absolut beizupflichten, wenn er die Nische Finanz- und Wirtschaftsinformation als funktionierendes Paymodell aufzeigt. Genau diese These vertreten auch wir. Als zweite Nische nennt er Verbraucherinformationen am Beispiel der deutschen Stiftung Warentest. Diese Aussage mag auf Deutschland zutreffen. Für die Schweiz bin ich da doch etwas skeptischer, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

„Was funktioniert sonst noch? Die Antwort: Nichts, was bekannt ist“. Auch dieser These muss weitestgehend zugestimmt werden. Zumindest, was Informationsinhalte betrifft. Unterhaltungsinhalte wie Musik oder Filme dürften sich mittelfristig als anerkannte Paymodelle durchsetzen.

Letztlich kann ich auch Samuel Rebers Empfehlung an die Verlage, mit Freemium Modellen zu experimentieren, sehr gut nachvollziehen. Zum Thema ‚Freemium‘ wurde auf dieser Seite bereits zu einem früheren Zeitpunkt Stellung genommen.

Diesen meiner Ansicht nach sehr realistischen und gut nachvollziehbaren Einschätzungen stehen die Einschätzungen des Springer-Chefs gegenüber.

Bereits im vergangenen April hat mich folgende Aussage Döpfners irritiert: “Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet.” Letzten Monat dann hat Döpfner seine Sicht der Dinge anlässlich der dmexco in Köln wiederholt. Statements wie «Smartphones und Tablets sind die Zeitungen der Zukunft», oder auch «Apps sind die neuen Verbündeten der Verlage» lassen aufhorchen.

Und dann kommt gemäss sueddeutsche.de eine Aussage, die mich erst recht aufhorchen lässt: Weniger radikale Veränderungen seien allerdings bei den Nutzergewohnheiten und Medieninhalten zu erwarten.

Bei allem Respekt für den Leistungsausweis von Mathias Döpfner, ich erachte diese Einschätzung als sehr gefährlich für die wirtschaftliche Zukunft des eigenen Verlagsgeschäfts. Im April hatte ich dazu geschrieben, es gehe nicht einfach um neue Technologien, um die fortschreitende Digitalisierung, welche 1:1 adaptiert werden könne, es gehe vielmehr um einen tief greifenden gesellschaftlichen Wandel, der sich besonders akzentuiert in der Mediennutzung bemerkbar mache. Dieser Überzeugung bin ich mehr denn je.

Ich weiss, ich wiederhole mich, aber ich sage es trotzdem noch einmal. Das Problem der Zeitungsverlage ist nicht (nur) eines der fortschreitenden Digitalisierung, es ist v.a. eines des gesellschaftlichen Wandels und des sich wandelnden Mediennutzungsverhaltens. Hinzu kommt die Vorstellung, für Inhalte künftig Geld verlangen zu können.

Von den Rupert Murdochschen Pay-Experimenten ist noch wenig bekannt. Ausser natürlich dem eklatanten Leserschwund auf den betroffenen Portalen. Aber ich bin und bleibe der felsenfesten Überzeugung, dass diesem Versuchsballon kein durchschlagender Erfolg beschieden sein wird. Umso mehr erstaunt es mich, dass man im Hause Springer nach wie vor bzw. primär auf Tablets, Smartphones, Apps und Paid Content setzt. Wäre ich Lehrer, ich müsste glatt sagen: Hausaufgaben nicht gemacht.

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2 Gedanken zu „David gegen Goliath

  • Ganz einfach: Verlage können dann Geld verdienen, wenn ihr Content auch wieder etwas wert ist. Gerade regionale Zeitungen hängen in Deutschland doch am Tropf von dpa und bekommen außer dem Sportteil kaum noch interessante Geschichten im Lokalteil hin.

    Leider gibt es immer noch viel zu wenig Beispiele für echten Qualitätsjournalismus.

  • @Dominik: Danke für den Artikel!

    @deed: Die Antwort ist: Es gibt keine Antwort. Wenn jemand zum jetzigen Zeitpunkt behauptet, die richtige Antwort auf diese Frage zu kennen, dann ist er schlichtweg ein Schwätzer.

    Das Thema „Paid Service“ höre ich in der ganzen Diskussion noch viel zu wenig. Sind wir ehrlich: Mit den Verkäufen am Kiosk und den Abos („Paid Content“), wurde auch in der Vergangenheit nie das grosse Geld gemacht. Ein Blick auf die Webseiten der hiesigen Verlage zeigt, dass man es diesbezüglich sehr einfach macht: Wenn sich „Paid Services“ auf deren Webseiten befinden, dann handelt es sich kaum um Eigenproduktionen. Entweder man führt Angebote von Drittanbietern auf Kommissionsbasis auf der Seite oder kauft etwas ein, ohne sich zu überlegen wie man es sauber in die bestehenden Inhalte einbinden könnte.

    Kurz: „Out-of-the-box-thinking“ und Experimentieren ist zurzeit wohl der einzig richtige Weg für Verlage.

    P.S.: Ein wirklich toller Artikel zum Thema:

    http://www.shirky.com/weblog/2009/03/newspapers-and-thinking-the-unthinkable/

    Auch wenn Clay Shirky grundsätzlich durch die US-Brille kuckt man man nicht alles 1:1 auf den Schweizer Markt übernehmen kann.

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