Gehört die Zukunft des Car-Sharing-Business tatsächlich den Amerikanern?

Was Airbnb für Rent-a-Place-Dienste ist, könnte Zipcar für Car-Sharing-Pools werden.
Airbnb schaffte es, dem Couch-Surfing den hippie-esken Beigeschmack zu nehmen und eine cleane, salonfähige und vor allem über den Tellerrand hinaus bekannte Unterkunftsvermietung auf die Beine zu stellen. Die Car-Sharing-Branche stand lange vor dem gleichen Problem: Deren Kunden seien links-grüne Idealisten und extrem schlechte Autofahrer. Zeit, dass die Amerikaner kommen und auch hier den Blümchen-Touch entfernen. Ausgerechnet die Amerikaner im Carsharing? Ja, ausgerechnet Zipcar!

zipcar_prius

Zipcar hat weltweit 760’000 Mitglieder und eine Flotte von 11’000 Autos. Ausser in seinem Hauptmarkt USA ist Zipcar in Österreich, UK, Spanien und Canada tätig. Kürzlich hat Avis angekünigt, Zipcar zu übernehmen, was nun Car-Sharing-Diensten weiter zu Popularität verhelfen wird.

In der Schweiz operiert Zipcar nicht. Hier dominiert Mobility. Mit über 100’000 Kunden und 2’600 Fahrzeugen an 1’300 Standorten (Stand Januar 2013) ist die Mobility Carsharing Genossenschaft laut eigenen Angaben Europas grösstes Carsharing Unternehmen. In vielen Dingen ist Mobility dem amerikanischen Unternehmen Zipcar auch um einiges voraus, beispielsweise bei der Anbindung an den öffentlichen Verkehr oder zum Teil beim Buchungssystem. Zum Teil nur deshalb, weil von Zipcar aufgekaufte Firmen in Österreich und Spanien ebenfalls die Software Mobisys 2.0 von Mobility benutzen.

Die Schweizer Genossenschaft Mobility ist also ein weltweiter Vorreiter in Sachen Carsharing. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es nur einer amerikanischen Firma gelingen wird, Carsharing nicht nur als praktische, sondern vor allem auch als schicke Möglichkeit an den User zu bringen. Nutzer von Carsharing-Diensten könnten dadurch plötzlich als urban und modern gelten. Sie verzichten zwar auf das Auto als Statussymbol, nicht aber auf den Komfort dieses Verkehrsmittels.

Ich glaube, dass künftig vor allem auch der lokale, individuelle Ansatz zum Erfolg verhelfen könnte, wieder ganz nach dem Vorbild von Airbnb: Ich miete das Auto meines Nachbars, und das alles formell und versichert über die Plattform. Darin enthalten sind Bewertungen des Mieters und des Vermieters, um die Reputation der Mietparteien transparent zu halten, so dass man bei zweifelhaften Anfragen sein Auto auch zurückhalten kann. Ein Autobesitzer, der sein Auto nicht selber jederzeit benötigt, kann so einige 100 Franken pro Monat dazuverdienden, und der Mietende kommt günstiger weg, als bei den regulären Car-Sharern, und hat es unter Umständen auch näher als bis zum nächsten Mobility-Standort.

Screenshot: Wheelz.com

Screenshot wheelz.com

 

Zwei Web-Portale setzen diese Idee bereits um: Wheelz operiert in San Francisco (und wird u.a. von wem finanziert? Genau, von Zipcar). Buzzcar ist in ganz Frankreich unterwegs (und wurde von wem gegründet? Genau, von der Zipcar-Gründerin Robin Chase @rmchase). Trotz der Nähe zu Frankreich kann man in der Schweiz sein Auto noch nicht in dieser Plattform eintragen. Das mag rechtliche Gründe haben. Als Mobility-Nutzerin in der Schweiz wünsche ich mir daher, dass sich Mobility nicht auf seinen Lorbeeren ausruht, sondern weiter wächst und weiter auf neue innovative Lösungen und Kooperationen setzt.

http://www.zipcar.com
http://www.mobility.ch
http://www.buzzcar.com/
https://www.wheelz.com/

07. Januar 2013 von Cecile Oberholzer
Kategorien: Digitale Gesellschaft | Schlagwörter: , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Die beste iPhone App zur UEFA EURO 2012

Am 8. Juni 2012 um punkt 18 Uhr beginnt das erste Spiel der UEFA EURO 2012. Leider ist das Eröffnungsspiel für Nicht-Polen und Nicht-Griechen gleich ziemlich langweilig. Es bleibt daher genügend Zeit, sich spätestens dann noch für eine gute EM-App zu entscheiden. Damit ihr dafür aber doch nicht die ganzen 90 Minuten des ersten Spiels verplempern müsst, habe ich für euch die drei informativsten EM-Apps schon mal rausgesucht.

Das Rennen zur bislang besten iPhone App zur EURO 2012 machte:

EM Carlsberg App
UEFA EURO 2012 TM by Carlsberg

Die EURO App des offiziellen Sponsors Carlsberg bietet alles, was ein Fussballfan an Infos und Statistiken braucht und noch ein bisschen mehr.

Der Einstieg erfolgt über die Matchdays 1, 2, 3, danach folgen die Finals. Es lässt sich einfach zwischen den Resultaten und den Tabellen switchen. Team-Infos erreicht man über verschiedene Wege. Und alles Wissenwerte über die einzelnen Spieler ist vorhanden (Foto, Rückennummer, Geburtsdatum, Verein, Position, etc.).

Ein besonderes Feature, das kaum eine andere EURO-App hat, sind die ausführlichen Turnier-Statistiken zu jedem Team: Ballbesitz etc.

Man merkt es der App an, dass hier Profis am Werk waren, die nicht zum ersten Mal eine App für ein Fussball-Turnier erstellt haben.

Auf Platz 2 folgt

Pocket EM App 2012
Pocket EM 2012

Sehr einfache und übersichtliche App. Alle nötigen Infos (Rückennummern, Clubs, Tabelle, Spielplan) sind einfach zu erreichen.
Wer sich allerdings einen Live-Ticker wünscht oder vertiefende Statistiken braucht, ist hier an der falschen Adresse.

Erst auf Platz 3 in meiner Rangliste folgt

UEFA EURO App 2012
die «Offiziellen UEFA EURO 2012 App mit Orange»

Nicht genug, dass die ganze App gesponsert ist, man wird auch innerhalb der App immer wieder mit «powered by» etc auf weitere Sponsoren hingewiesen. Inhaltlich sind zwar fast alle nötigen Infos da. Die Menuführung von der Carlsberg-App gefällt mir persönlich aber besser, ist intuitiver. Ausserdem fehlt ein ganz wichtiges Detail, das jeden zumindest temporären Fussballfan sehr interessiert, nämlich bei welchem Club ein Spieler aktuell unter Vertrag ist. Ein weiterer Dämpfer der Offiziellen UEFA Euro App ist die kostenpflichtige Video-Sektion. Wären es doch gerade die Videos mit den Highlights der Spiele gewesen, mit denen die UEFA App gegenüber Apps von Dritten sicher hätte punkten können. Abgesehen davon, dass die Videos kostenpflichtig sind, so sind sie auch noch sehr teuer: Ziemlich sicher handelt es sich um die Preise, die sie auch für Champions League Highlights verlangen – 10 Franken!
Egal, man wird die Highlights auch so zu sehen bekommen. Möglichkeiten gibt’s genug.

Ausser Konkurrenz sind ausserdem die folgenden Apps empfehlenswert:

EM Spicker

Hält der kostenlose «EM Spicker», was er verspricht, so ist es auf jeden Fall einmal wert, einen News-Ticker zu einem EM-Match mitzulesen. Die iPhone App steigt über die Teams ein und setzt den Fokus vor allem auf einmalige Texte und den deutschen Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Was das Design betrifft, so ist der EM Spicker mit seinem Retro-Look sicher die schönste aller Apps zur Fussball Europameisterschaft 2012. Natürlich wäre auch ein Spielplan in der App vorhanden.

EM 2012 Quartett

Das EM 2012 Quartett verkürzt einem die Wartezeiten beim Anstehen fürs Klo beim Public Viewing. Die Teams treten in sechs Kategorien gegeneinander an: Anzahl EM Siege, Endrunden- teilnahmen, UEFA Rang, Marktwert in Mio EUR, Tore bei Endrunden, Tore in Qualifikation. Probiert’s aus. Wahrscheinlich werdet ihr aber nie gegen euer iPhone gewinnen.

Teleboy

Die Teleboy App hat nicht nur den Vorteil, dass der Fussballmatch gleich live geschaut werden kann (man muss keine Ticker lesen), sondern bietet gleich noch das nette Feature «TV Lounge» an. In der TV Lounge kann man sich in die Sendung einchecken, sich den Master-, Doktor- und Professor-Titel der EM-Sendungen schnappen sowie live das Geschehen auf dem Rasen kommentieren. Kann man also bei anderen Apps den News-Ticker lediglich lesen, so kann man bei Teleboys TV Lounge den Ticker gleich selber schreiben.

Wie immer empfiehlt es sich, auf der Hut zu sein mit dem Einbinden des offiziellen EURO Logos. Gewiefte Österreicher haben daher in einem Wettbewerb ein Alternativlogo auserkoren. Das ist eine ausgezeichnete Idee, nur leider war die Jury auf einem Auge blind. Es kann doch nicht sein, dass kein schöneres Logo eingereicht wurde. Was meint ihr dazu?

Source: emlogo.at

04. Juni 2012 von Cecile Oberholzer
Kategorien: Blog, Mobile | Schlagwörter: , , , | Schreibe einen Kommentar

Das Twittern ist des Politikers Lust

Noch ziemlich wenige, aber doch mehr und mehr unserer Parlamentarier teilen sich über Twitter mit. Oder nehmen sich wenigstens vor, solches zu tun. Zu den Aktivsten gehören beispielsweise der Grüne Balthasar Glättli (@bglaettli) oder SVP-Jungspund Lukas Reimann (@lukasreimann).

Der gängige Tenor würde jetzt sagen, das sei doch normal, dass solche Kanäle eher von den Jüngeren genutzt werden. Aber das hat weder mit Alter, noch mit Geschlecht oder sonst was zu tun. Als Politiker würde ich mir gezielt Informationen über Twitter beschaffen. Twitter ist nun mal die beste und v.a. schnellste Informationsquelle. Wenn man es richtig nutzt. Aber eben, da fängt’s an mit dem Hapern.

Einen solchen Account, z.B., würde ich schleunigst schliessen. Alles andere ist einfach nur peinlich!

Ich will mich nicht über alle Accounts einzeln auslassen. Aber meine absoluten Favoriten (im negativen Sinn), die möchte ich kurz vorstellen. Fangen wir mit dem streitbaren Zürcher Nationalrat Christoph Mörgeli an.


Demnächst will er also zu aktuellen Tagesthemen twittern, liess er uns am 8. November wissen. Wir warten immer noch. Ob das der Glaubwürdigkeit als Politiker dienlich ist, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Auch sehr überzeugend ist der Appenzeller Nationalrat Andrea Caroni:


Zwei Tweets, einer davon eine offene Drohung. Nur weil einer vorgegeben hat, auf Twitter Andrea Caroni zu sein, muss man ihm doch nicht gleich mit der Bundesanwaltschaft drohen. Aber etwas aktiver sein könnte er schon, der Herr Caroni, wenn er schon vollmundig den offiziellen Andrea-Caroni-Account ankündigt.

Mein absoluter Liebling ist aber der Basler Nationalrat Peter Malama.

So weit, so gut. Ein vollkommen inaktiver Twitter-Account scheint unter Parlamentariern ja nichts Aussergewöhnliches zu sein. Aber warum in aller Welt bindet man Twitter dann auf seiner Webseite ein?

Doch es kommt noch besser! Klickt man auf das Twitter-Icon, wird man nicht etwa zum Twitter-Account von Peter Malama geleitet. Sondern es öffnet sich dieses Fenster:

Es geht hier nicht darum, mit dem Finger auf einzelne Individuen zu zeigen. Ich habe bloss die krassesten Beispiele thematisiert. Es gäbe noch viele andere Parlamentarier-Accounts, die nicht viel weniger desolat daherkommen. Mit ein paar wenigen Ausnahmen findet auch kaum Interaktion statt. Dabei geht es bei diesen sozialen Medien in erster Linie ja gerade um Dialog. Ich behaupte, dass die neuen Medien und sozialen Netzwerke zu gesellschaftlichen tektonischen Plattenverschiebungen führen. Dieser Prozess ist längst im Gang. Aber von den meisten, die die Geschicke unseres Landes bestimmen, werden diese tief greifenden Umwälzungen und gesellschaftlichen Veränderungen weitestgehend ignoriert. Das ist schon ziemlich beunruhigend.

22. Februar 2012 von Dominik Schmid
Kategorien: Digitale Gesellschaft, Social Media | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

Daily iPhone Apps of the Year

Apple kürt Instagram zur «iPhone App of the Year 2011». Instagram ist eine Foto-Community-App, die ausschliesslich auf dem iPhone läuft und trotzdem bereits über 50 Millionen Nutzer zählt. Apples Wahl überrascht daher keineswegs. Instagram gehört auch zu meinen persönlichen Favoriten.

Wenn wir schon dabei sind, möchte ich euch weitere meiner Apps of the Year vorstellen. Zu den Auswahlkriterien gehören weder ausgeklügelte Mechanismen oder Designs, sondern einzig der Nutzen bzw. Spass-Faktor, den diese App für mich hat. Ich benutze diese Apps praktisch täglich. Apps, die in iOS fix integriert sind, habe ich nicht berücksichtigt. Vor allem deshalb nicht, weil ich dem nicht sehr beliebten Wecker keinen so prominenten Platz einräumen wollte, für Twitter dagegen tut es mir leid. Denn diese App nutze ich täglich mit Freude.

Kommen wir zur Auswahl:

1 ) Instagram
Bei Instagram dreht sich alles um Fotos: Fotos anschauen, Fotos schiessen, Filter drüber legen, Fotos teilen liken und kommentieren. Einfach mitmachen und man sieht die Welt plötzlich mit Instagram-Augen.

2 ) Spotify
Spotify ist ein Musik-Streaming-Dienst mit über 15 Millionen Songs. Während die PC-Browser-Version gratis genutzt werden kann, benötigt man für die App ein Premium Abo von Spotify (12.95 CHF pro Monat).

3 ) WhatsApp
WhatsApp ist ein Nachrichten-Service, der die Nachrichten nicht als SMS, sondern über das mobile Netz schickt. Wer also eine Flatrate hat, bezahlt für die Nachrichten nichts.

4 ) Foursquare
Mit Foursquare kann ich mich überall dort einchecken, wo ich gerade bin und meine Freunde so wissen lassen, dass ich im Anmarsch bin oder eben halt an einem ganz tollen Ort.

5 ) SBB
Mit der SBB-App kaufe ich meine ÖV-Bilette. Hat bisher immer einwandfrei geklappt.

6 ) Facebook
Mit der Facebook-App stalke ich Leute, die ich soeben kennengelernt habe oder gleich treffen werde.

7 ) Scrabble
Bei Scrabble gewinne ich meistens. Das Game lässt sich auch ausgezeichnet während langweiliger Zugfahrten oder Fernsehsendungen spielen (sofern man nicht gerade aktiv in der TV Lounge engagiert ist).

8 ) Motlies Memory
Das Motlies Memory spiele ich gerne, weil es auch ein bisschen von mir ist, und es so angenehm meditativ ist. Kinder finden es auch immer ganz toll, aber wahrscheinlich in erster Linie wegen des iPhones.

13. Dezember 2011 von Cecile Oberholzer
Kategorien: Digitale Gesellschaft, Mobile | Schlagwörter: , , | Schreibe einen Kommentar

Der Bücherwurm hat ausgedient

Alle kennen es, aber erst wenige machen davon Gebrauch: vom digitalen Buch!

In den kommenden Jahren wird sich das jedoch grundlegend ändern. Konnte sich die Buchbranche anders als die Musikindustrie bislang noch erfolgreich gegen die Digitalisierung ihrer Pfründe wehren, so wird auch ihr Kampf ums Überleben härter. Für die Verlage und Buchhändler müssen neue Geschäftsmodelle her, denn alleine mit dem Verkauf eines digitalen Buches lässt sich bei weitem nicht so viel Geld verdienen, wie mit dem Verkauf eines gedruckten Buches.

In den USA ist die Entwicklung schon etwas weiter. Dort verkündete Amazon kürzlich, nun direkt Verträge mit Publizisten abzuschliessen (für Print und E-Books). Die Zwischenagenten verlieren an Wichtigkeit.

Bild: dodocase.com

Doch kurz ein Überblick über den aktuellen Stand der Produkte, Formate und Anbieter, die auf dem E-Book-Markt zu finden sind:

• Produkte: Derzeit ist zu unterscheiden zwischen «klassischen» E-Books, enriched E-Books und Book Apps.

• Formate: Für die klassischen und enriched eBooks sind die Formate PDF (festes Layout) sowie EPUB und proprietäre Formate wie Amazons .mobi oder KF8 wichtig (fliessendes Layout).

• Anbieter: Zu den Händlern gehören die klassischen Buchhäuser wie Barnes & Nobles oder Books A Million in den USA; Thalia, Hugendubel oder Weltbild und viele mehr in Deutschland sowie Orell Füssli, Thalia Schweiz oder Lüthy in der Schweiz. Dazu kommen Anbieter wie Amazon und Google, wobei Amazon im englischen Sprachraum über weit mehr E-Books verfügt als im deutschsprachigen Raum.

Während die meisten Buchhändler ihre E-Books im standardisierten EPUB-Format anbieten, setzt der grösste Online-Händler Amazon gänzlich auf sein eigenes Format (Mobipocket oder nun bald KF8). Auch mit den aufs diesjährige Weihnachtsgeschäft 2011 angekündigten Kindle Touch und Fire lässt sich das EPUB-Format nicht mal lesen.

Für Leser von deutschsprachigen Büchern würde es sich demnach empfehlen, keinen Kindle zu kaufen, da das Angebot auf amazon.de im Vergleich zu amazon.com eher bescheiden ist.

Entscheidet man sich also für einen anderen Reader, zum Beispiel den ImCoSys-Reader (!), den einem books.ch empfielt, so kann man zwar EPUB-Bücher lesen, aber dafür natürlich nicht die Bücher von Amazon. Zudem fühlt sich der Leser über den Tisch gezogen, wenn er für den neusten Schinken von Haruki Murakami (1Q84) fürs E-Book (ohne Druck- und Vertriebskosten) trotzdem 24 CHF zahlen muss. Im gleichen Laden kostet die gebundene Ausgabe von 1Q84 29.90 CHF. Offensichtlich halten die Buchhändler künstlich an ihren gedruckten Büchern solange wie möglich fest, denn dort machen sie immer noch ihr Geld.

1Q84, Murakami Haruki

Im Gegensatz zum Inhalt sind die Reader bereits erschwinglich. Ein klares Zeichen dafür, dass der Buchmarkt immer schneller auf den Kopf gestellt wird. Denn haben die Leser erstmal einen E-Reader, ist der Weg kurz, sich die digitalisierten Bücher anderweitig zu besorgen.

Denn natürlich kann man nur in der Theorie keine EPUBS auf dem Kindle lesen, mit Programmen wie Calibre kann man EPUB schnell in ein Kindle-taugliches Format umwandeln. Nur ist es nicht sehr angenehm, wenn man sein redlich erworbenes E-Book erst mühsam und illegal umwandeln muss, damit es auf dem eigenen Reader gelesen werden kann. Viele werden sich daher die Bücher direkt via Torrent und PirateBay gratis herunterladen.

Für den Leser besteht momentan keine befriedigende, übersichtliche und vor allem einfache Lösung, seine Bücher künftig nur noch ausschliesslich elektronisch zu lesen. Auch preislich müssen die Bücher massiv billiger werden. Dass die Entwicklung nicht aufgehalten werden kann, ist aber mehr als klar. Schlussendlich bringt es abgesehen vom Geruch von frisch gedrucktem Papier nur Vorteile: einfach und bequem vom Sofa aus sein Buch kaufen, seine Bücher mit Freunden innert Sekunden teilen, Social-Empfehlungen, Preis, umweltschonend, Gewicht, das Buch kann auf verschiedenen Devices gelesen werden (unterwegs auf dem Smartphone, daheim auf dem E-Reader), keine Druckkosten… etc.

Ich wage daher einen Ausblick in die Zukunft des hiesigen Buchmarktes: Bald wird ein Anbieter auftauchen, der den E-Book-Markt beherrscht, der weder Barnes & Nobles, noch Orell Füssli und wohl nicht mal Amazon heisst, und der wie eine herkömmliche Bibliothek aufgebaut ist – mit einer Mitgliedergebühr, aber mit viel, viel mehr Büchern.

03. November 2011 von Cecile Oberholzer
Kategorien: Digitale Gesellschaft, Mobile, Print, Tablet | Schlagwörter: , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Von sprechenden Giraffen, Abenteuergeschichten und iPads

Was mögen fast alle Kinder lieber als für die Schule büffeln? Genau, richtige Büffel, Giraffen, Igel, Abenteuergeschichten, Farben, das iPhone oder iPad der Eltern, gamen, malen, eigene Geschichten erfinden… Ist doch klar! Und das Beste daran ist, dass all dies plötzlich möglich ist. Den «Motlies» sei Dank. «Motlies»?

Die «Motlies», das ist ein Kreativkonzept, das auf einer Reihe von Tierfiguren mit sehr unterschiedlichen Charakteren basiert. Die Motlies-Tiere sind schrullig, lustig, gewitzt und können den Kindern helfen, die Umwelt besser wahrzunehmen und zu schätzen. Monatlich erscheint eine neue Geschichte der «Motlies». Diese sind stets spannend, kurz, knackig und auch lehrreich, da immer interessante Fakten über die Tiere in die Geschichten verpackt werden.

Die Geschichten und Zeichnungen stammen alle aus der Feder von Dorit Erzmoneit. Als sie angefangen hatte, Tiere für das Schlafzimmer ihres Sohnes zu malen, führte das eine zum anderen und nach einer Phase des Malens und Recherchierens über unterschiedliche Tierarten, nach viel Inspiration geschöpft aus der Fantasie von Sohnemann Luca, waren die unterschiedlichsten Charaktere plötzlich wie von selbst da.

Und dann traf Dorit uns auf einem Geburtstagsfest. Und als wir erzählten, was wir so tun, wurde aus dem Treffen tierischer bzw. «motliescher» Ernst. Aus dem wunderschönen bunten Haufen, den Dorit kreiert hatte, wurden die «Motlies». Der Name wurde inspiriert durch einen anderen bunten Haufen aus unserer Vergangenheit – die Band ‘Mötley Crüe‘ (vom englischen ‘motley crew’, was zu Deutsch ‘zusammengewürfelter Haufen’ bedeutet).

F.A.M.O.S. Medien unterstützt Dorit bei der Umsetzung des Konzepts. Mit gezielten Marketing-Aktivitäten, PR-Massnahmen und ausgesuchten Partnerschaften bauen wir eine neue multimediale Fantasie-Welt für Kinder (und ihre Eltern) auf. Und wir haben uns hohe Ziele gesteckt.

Als erstes haben wir den Motlies-Webauftritt mit einer eigenen Webseite umgesetzt. Auf der Seite stehen seit Juli die ersten Geschichten kostenlos zur Verfügung. «Motlies» ist eine Fortsetzungsgeschichte – jeden Monat gibt es ein neues Abenteuer zu lesen. Selbstverständlich können die Geschichten auch als PDF-Datei heruntergeladen werden, versehen mit den farbenfrohen «Motlies» Illustrationen. Für alle iPad-Besitzer: stellt Euch die Geschichten in Eure iBook App, ist echt cool anzuschauen.

Zusätzlich zum Webauftritt steht eine kostenlose App für iPhone und iPad im AppStore bereit: das «Motlies Memory», ein lehrreiches und anspruchsvolles Memory-Spiel mit drei Schwierigkeitsstufen für bis zu vier Spieler. Derzeit ist das Spiel in Deutsch und Englisch verfügbar. Und es ist eine echte Herausforderung, nicht nur für Kinder!

Und wie es sich für so einen bunten Haufen gehört, sind die «Motlies» natürlich auch ‘sozial’ unterwegs – will heissen: die «Motlies» kennen fast jeden Winkel, den es in der (digitalen) Welt zu ergründen gibt. Dazu gehören Facebook ebenso wie Twitter. More to come. Motlies schon bald auf Instagram oder gar foursquare? Wer weiss…Wenn Ihr die «Motlies» auf Facebook und/oder Twitter verfolgt, werdet Ihr jedenfalls die Ersten sein, die das erfahren. Und die neusten Geschichten, die neusten Figuren oder was die «Motlies» sonst so treiben, werdet ihr dort sowieso immer zuerst erfahren. Das ist erst der Anfang. Die «Motlies» haben noch viel vor, ganz viel. The sky is the limit!

22. August 2011 von Cecile Oberholzer
Kategorien: Digitale Gesellschaft, Pro domo | Schlagwörter: , , , , | Schreibe einen Kommentar

Dein Freund und Helfer

Verdutzt reibe ich mir dieser Tage immer wieder die Augen. Es ist gerade mal eine Woche her seit der abscheulichen Bluttat auf der Norwegischen Insel Utøya. Das Entsetzen ist weit herum gross und man stellt sich die berechtigte Frage, was einen Menschen zu einer derart absurden Tat bewegen kann.

Politische Beobachter waren rasch zur Stelle, um die Tat einzuordnen. Ging man zuerst von einer islamistischen Terroraktion aus, wurde rasch klar, dass es sich um eine Tat aus den eigenen Reihen handelte – ein Norweger brachte dutzende andere Norweger um. Eine Tat eines Irrsinnigen, keine Frage. Anders Breivik scheint getrieben gewesen zu sein von diffusen Ängsten vor einem Untergang der abendländischen Kultur. Ist er ein christlicher Fundamentalist? Ein Rechtspopulist? Ein geistesgestörter Fanatiker?

Vermutlich das eine oder andere. Vielleicht alles. Vielleicht auch nicht. Wir wissen es einfach noch nicht. Eines aber ist sicher: niemand würde eine derart bestialische, sinnlose Tat je billigen, ausser vielleicht ein paar fundamentalistisch-extremistische Kreise – aus welcher Ecke auch immer.

Es ist klar, nach einer solchen Tragödie kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Trotzdem verstehe ich nicht, weshalb unsere Medien diesem Täter eine derart prominente Plattform bieten. Das ist doch genau das, was er wollte. Sein wirres Manifest dürfte mittlerweile tausende Male heruntergeladen worden sein (ja, ich habe es auch heruntergeladen). Er erreicht damit ein Publikum, von dem er nie zu träumen gewagt hätte. Die Medien als willige Helfer, das Netz als bekannter Multiplikator zur Verbreitung von Botschaften.

Keine Frage, Breiviks teuflischer Plan geht bisher irgendwie auf. Besser, als er sich dies wohl erhofft hatte. Dank seinen medialen Helfern und Handlangern. Und als ob sie in williger Hörigkeit handeln würden, wissen unsere Medien – ob öffentlich-rechtlich oder privat – nichts Besseres, als noch mehr Öl auf Breiviks kleine teuflische Flamme zu giessen.

Es war in den vergangenen Tagen auffällig, dass in Berichten zu den Opfern des Attentats gerne gezielt gewählte Einzelschicksale heraus gepickt worden sind.

Ich erhebe mit diesen Beispielen mitnichten Anspruch auf Vollständigkeit, was die Berichterstattung betrifft. Ich habe diese gewählt, weil ich diese zufällig selbst gesehen habe. Aber ist es wirklich ein Zufall, dass alle gezeigten Schicksale einen muslimischen Hintergrund haben? Die sozio-kulturelle Herkunft der Opfer sollte in einer solchen Tragödie doch eigentlich überhaupt keine Rolle spielen. Aber genau mit solch tendenziöser Berichterstattung wird – schön nach Gusto der Bestie – so viel Öl wie möglich in die Flamme gegossen. Mein Gott, merkt ihr nicht, wie er Euch auch nach seiner Tat weiter instrumentalisiert?

30. Juli 2011 von Dominik Schmid
Kategorien: Digitale Gesellschaft, Medienmacht | Schlagwörter: | Schreibe einen Kommentar

Was uns der Facebook-Algorithmus nicht zeigt

Für Facebook ist es wunderbar, wenn grosse Unternehmen viel Geld in die Akquirierung von Fans auf Facebook stecken und dabei auch viele immer teurer werdende Facebook Ads buchen.

Doch wie jüngste Zahlen zeigen, nimmt die Interaktionsrate mit der Anzahl der Fans ab. Wieso das? Geben sich die Unternehmen mit zunehmender Fanzahl weniger Mühe bei den Posts? Warten die «Fans» nur noch passiv aufs nächste Gewinnspiel?

Weder noch.

Denn was wann in meinen Facebook News Feed kommt und ich darauf reagieren kann, das weiss nur Facebook. Für die anderen bleibt dieser Code geheim.

Als Facebook-User ist mir aber aufgefallen, dass in meinem News Feed kaum Nachrichten von Pages kommen (ausser ich bin selber Admin der Page). Tests von mir und anderen haben ergeben, dass auch die vermeintliche «Most recent»-Filter-Funktion nicht wirklich alle «Most recent»-Posts anzeigt. Offenbar nimmt uns Facebook hier die Entscheidung ab, was für uns relevant und interessant sein soll. Unternehmenseiten sind es mit zunehmender Anzahl Fans nicht. Auch wenn man selber einst den «Gefällt mir»-Button geklickt hat.

Schade, denn offenbar traut Facebook seinen Usern nicht zu, dass sie sich selber von Pages «abmelden» können, wenn ihnen die Posts von dieser Seite her nicht mehr gefallen.

Es könnte natürlich auch sein, dass Facebook die Updates der Unternehmen monetarisieren möchte und die Unternehmenspages schon bald zahlen müssen, um im News Feeds ihrer Fans zu erscheinen.

Das Konzept von Google+ mit den Circles verspricht da mehr, verlangt aber vom User auch mehr Pflege ab. Dafür hat es der User (noch) selber in der Hand, von wem er Beiträge sehen möchte und von wem nicht. In welchem Suchresultat uns Google mit seiner Suche jedoch tappen lässt, ist wieder eine andere strenggeheime Filtergeschichte.

25. Juli 2011 von Cecile Oberholzer
Kategorien: Digitale Gesellschaft | Schlagwörter: , , , | Schreibe einen Kommentar

← Ältere Artikel